Die 16 Sprachen, die du bis 2022 unterstützen musst

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Als Titanic 1997 in die Kinos kam, waren 80 % aller Webseiten im World Wide Web auf Englisch. Blickt man per Zeitraffer auf das Jahr 2018, sieht die Sache ganz anders aus.

Klar, wir mögen immer noch darüber streiten, dass Jack und Rose beide das sinkende Schiff hätten überleben sollen – wenn Rose doch nur dieses Stück Holz geteilt hätte –, aber wir tun dies tatsächlich in viel mehr Sprachen als noch vor 20 Jahren.

Let's be honest. There was room for two.
Lasst uns ehrlich sein. Es gab genug Platz für zwei.

Der Grund, warum das passiert, ist, weil heute nur 20 % aller Online-Inhalte in Englisch verfasst sind.

Und man kann sich gut vorstellen, was das für Unternehmen auf der ganzen Welt bedeutet. Es gibt eine ganz Menge mehr Sprachen, die es anzugehen gilt, wenn du global sein willst, und wenn du das ignorierst, wirst du wahrscheinlich Geld verlieren.

Sprachbarrieren = Hindernisse fürs Geschäft

Die Regierung in Großbritannien hat zum Beispiel sogar berechnet, dass die Annahme, dass alle Englisch sprechen, ihrer Wirtschaft jedes Jahr £ 48 Milliarden oder 3,5 % des BIP kostet.

In der Europäischen Union wiederum verkaufen derzeit nur 16 % der Einzelhändler online in andere EU-Länder – eine verpasste Chance für die restlichen 84 %. Des Weiteren kaufen nur 15 % der europäischen Verbraucher online Waren aus anderen EU-Ländern.

Es gibt einen riesigen, exponentiell wachsenden Berg an digitalen Inhalten, der sich in all diesen Silos von Nationalitäten, Kulturen und, ja, Sprachen, aufbaut. Trotzdem erhöht eine gemeinsame Sprache in der Wirtschaft die Handelsströme um 44 %.

Wenn sich die englische Sprache jedoch verlangsamt und wir alle mehrsprachig sein sollten, um die Umsätze zu steigern, welche Sprachen sollten wir dann im Auge behalten?

Welche Sprachen erobern die Welt?

Nun ja, es ist wirklich nicht so, dass Englisch von dieser Liste gestürzt wird. Es bloß, dass es für die englische Sprache online nur noch wenig Raum gibt, ihre Präsenz zu erweitern – wir werden gleich darauf eingehen.

Auf der anderen Seite erleben andere Teile der Welt ein starkes Wachstum, was wahrscheinlich bedeuten wird, dass wir ihre Sprache sprechen müssen, um einen großen Teil dieses globalen Marktes zu erschließen.

Laut dem neuesten Bericht des „Common Sense Advisory“, einem US-Marktforschungsunternehmen, werden wir im Jahr 2022 in der Lage sein, 90 % des gesamten Online-BIP mit 16 Sprachen zu erreichen (das sind die so genannten Sprachen der Kategorie 1):

Aber warum übernehmen diese Sprachen die Führung? Und was bedeutet das konkret für globale Unternehmen?

Ein genauerer Blick in die Sprachen der Zukunft

Im Laufe der Jahre wird die Welt sich im atemberaubenden Tempo immer weiter verändern. Verschiebungen in den Bereichen Bevölkerung, Wirtschaftswachstum und der Verbreitung des Internets können allesamt bestimmen, ob eine bestimmte Sprache häufiger gesprochen wird als eine andere.

Wenn du zum Beispiel die Verbreitung des Internets betrachtest, können die Zahlen ziemlich erstaunlich sein. Das „Common Sense Advisory“ sagt voraus, dass bis 2022, in den von ihnen analysierten 187 Ländern, 59 % der Bevölkerung Zugang zum Internet haben werden. Interessant ist jedoch, dass sich dieses Wachstum hauptsächlich auf Schwellenländer konzentriert, was erklärt, warum Sprachen wie das vereinfachte Chinesisch auf dem Vormarsch sind.

Was können uns diese Trends nun über die Sprachen der Zukunft sagen?

Englisch ist fast gesättigt

Anfang dieses Jahres hat Nicholas Ostler, der Autor von „Empires of the Word“ und „The Last Lingua Franca“ und Vorsitzender der „Stiftung für bedrohte Sprachen“, in einem Artikel für den The Guardian eine grundlegende Frage gestellt: „Haben wir den Höhepunkt des Englischen in der Welt erreicht?“

Nun, es sieht ganz danach aus, und Ostler ist definitiv nicht der Einzige, der so denkt.

Ich meine, lasst uns nicht das Offensichtliche aus den Augen verlieren. Die Verwendung der englischen Sprache ist größer als je zuvor und sie ist weiter verbreitet als jede andere Sprache auf der Welt. In den meisten Ländern ist es die erste Fremdsprache, die laut dem „British Council“ (Organisation zur Förderung britischer Kultur im Ausland) gelernt wird, und es wird von 1,75 Milliarden Menschen gesprochen,einem Viertel der Weltbevölkerung.

The internet in 1997 — 80% English-language content

Wird Englisch aber seine gut etablierte Position in der Zukunft aufrechterhalten? Vermutlich nicht.

Und die Zahlen beweisen es. Es gibt sehr wenig Raum für Englisch, sich zu erweitern. Es nähert sich dem Sättigungspunkt und seine zusätzlichen 6,2 Billionen US-Dollar an eGDP werden nicht ausreichen, um zu verhindern, dass es sinkt, während der Rest der Welt seine Marktanteile erhöht.

The internet in 2018, only 20% English-language content

Wohin führt uns also diese Wende? Die Antwort liegt wahrscheinlich in den schnelllebigen und aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens, Südamerikas und Afrikas.

Asien steigt auf und Europa sinkt ab

Von allen Berichten, die ich gelesen habe, scheinen sich alle darin einig zu sein, dass Asien nicht nur als Markt, sondern auch in der Sprache wächst. Vereinfachtes Chinesisch ist heute eine der am häufigsten verwendeten Sprachen der Welt und es wird weiter wachsen. Wenn es bis 2022 13 % des Online-BIP hält, wird es bis 2027 um 4 % steigen und 17 % des Online-BIP erreichen, während Sprachen wie Englisch immer weiter zurückgehen werden.

Es ist jedoch nicht nur Chinesisch, sondern auch viele andere asiatische Sprachen, welche die Leiter hinaufklettern. Hindi, Bengalisch, Urdu, Indonesisch und andere Sprachen, die in Ländern wie Indien oder Pakistan weit verbreitet sind, werden in naher Zukunft weiter steigen.

Und dies öffnet viele Türen für Unternehmen auf der ganzen Welt. Diese unerschlossenen Märkte sind in der Tat eine großartige Gelegenheit für Unternehmen, bereits in den frühen Phasen des Hyperwachstums einzusteigen.

Aber während dies in Asien geschieht, bewegen sich die Dinge in Europa in die entgegengesetzte Richtung. Auch wenn Europa in den kommenden Jahren ein wirtschaftliches Wachstum erleben wird, wird das Aufkommen asiatischer Sprachen höchstwahrscheinlich einen Teil des bislang überwiegend europäischen Raums einnehmen. Sprachen wie Finnisch, Norwegisch, Griechisch, Ungarisch, Italienisch, Polnisch oder Schwedisch werden in der Rangliste um zwei oder mehr Plätze absinken.

Portugiesisch und Spanisch: die Ausnahmen der Regel

Trotz alledem gibt es noch zwei europäische Sprachen, die woanders, in Südamerika, weit verbreitet sind und noch immer an Dynamik gewinnen. Das ist der Fall bei Spanisch und Portugiesisch.

Spanisch wird Japanisch endlich überholen und bis 2022 auf den dritten Platz aufsteigen, direkt hinter vereinfachtem Chinesisch und Englisch. Und das ist kein Wunder, denn es ist die offizielle Sprache von 20 Ländern und es wird geschätzt, dass weltweit mehr als 572 Millionen Menschen Spanisch sprechen.

Obwohl Portugiesisch nicht so stark ist wie die Sprache von Don Quijote, ist estrotzdem, mit über 260 Millionen Sprechern, eine der meist gesprochenen Sprachen der Welt. Laut dem Bericht des „Common Sense Advisory“ wird die portugiesische Sprache bis 2022 mit einem Online-Publikum von fast 5 % sogar die italienische Sprache übertreffen.

Was bedeutet das für globale Unternehmen?

Es bedeutet, mehrsprachig zu sein, ist nicht länger bloß eine Option. Dennoch bedeutet dies nicht, dass du alle oben genannten Sprachen gleichzeitig unterstützen solltest. Du musst strategisch denken und verstehen, was deine Marktprioritäten sein sollten.

Du musst die Märkte verstehen, in die du einsteigen möchtest, und darauf vorbereitet sein, die komplexesten Sprachen zu unterstützen. Zum Beispiel haben Sprachen wie Devanagari, Bengalisch und Tamil, die in Indien verwendet werden, komplexe Schreibsysteme, so dass es möglicherweise nicht einfach ist, mit ihnen zu arbeiten, wenn du nicht weißt, was damit verbunden ist.

Letztendlich hat all das mit deinen Kunden und den Märkten zu tun, in denen du dich befindest.

Wie kannst du deine Sprachprioritäten definieren?

Kurz gesagt beruht die Antwort auf diese Frage darauf zu verstehen, woher deine Kunden kommen. IP-Daten, E-Mails und andere Kontakte werden dir einen guten Eindruck deiner Sprachbedürfnisse vermitteln.

Aber nicht nur das. Betrachte deine eigenen Daten und schau dir das Verhalten deiner Nutzer an. Verbringen Menschen, die in Russland leben, mehr Zeit auf deiner Webseite als jene, die in Spanien leben? Oder ist es genau umgekehrt? Sprechen deine Kunden eine zweite Sprache?

Das sind einige der Fragen, die du dir stellen solltest, bevor du entscheidest, welche Sprachen du unterstützen willst. In manchen Gebieten ist zum Beispiel eine zweite Sprache so allgegenwärtig, dass das Problem dramatisch abgeschwächt wird: In den Niederlanden und Israel ist Englisch beispielsweise sehr verbreitet. In Ländern wie China jedoch eher nicht so sehr.

Diese Fragen kannst aber im Grunde nur du beantworten. Schließlich kennt niemand dein Geschäft besser als du.

Letztendlich hoffe ich, dass dieser Artikel dir hilft, alle Hindernisse zu umgehen, die dir beim Durchqueren von unruhigen, internationalen Gewässern – einschließlich Eisbergen – begegnen könnten.

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