Wie Sprachen sterben: 3 tote Sprachen und was sie uns beibringen können

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Artwork by Bruno Silva

Sprachen überleben Brände, Überschwemmungen, Dürren, Hungersnöte und Kriege.

Aber dann sterben sie manchmal.

Was bedeutet, dass bevor sie dies tun, müssen sie gelebt haben. Wir sehen es möglicherweise nicht so, aber direkt vor unseren Augen wachsen sie jeden Tag und jedes Jahr, sie entwickeln sich, mutieren.

So wie sich eine Schlange häutet, haben Sprachen eine organische Qualität, die es ihnen ermöglicht, sich mit der Zeit und den Menschen zu ändern, die sie jeden Tag, jede Sekunde sprechen, schreiben und hören.

Und dann eines Tages nicht mehr. Wie Akkadisch, die Sprache des antiken assyrischen Reiches.

Akkadisch und das Geheimnis des Überlebens

Erinnerst du dich an Noah? Der Typ mit dem schwimmenden Zoo? Der Legende nach gründete sein Enkel Aram einen kleinen Nomadenstamm. Diese Nomaden waren ehrgeizig und fingen an, Sachen einzunehmen. Zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert beherrschten sie einen Großteil des heutigen Irak, Syriens und der Türkei. Die Aramäer sprachen aramäisch.

Wenn du einer der beiden verbleibenden Mel Gibson-Fans der Welt bist, dann erinnerst du dich vielleicht an Aramäisch als die Sprache, die in ‚ The Passion of Christ‚ gesprochen wird. Oder, wenn du ein kleiner Bibelnerd bist, kennst du vielleicht Aramäisch alseine der Sprachen, in denen das Buch der Bücher geschrieben wurde.

Die Assyrer rollten in ihren Wagen an, nahmen Babylon von den Aramäern und vertrieben sie aus ihren Ländern. Sie dachten, sie hätten gewonnen. Sie dachten, sie hätten ihrem Reich und ihrer Sprache eine Zukunft gesichert.

Aber niemand kennt mehr Akkadisch. In der Tat: Ich bin bereit, zwanzig Dollar zu wetten, dass du davon noch nie gehört hast. Habe ich recht? Während ungefähr eine halbe Million Menschen noch Aramäisch sprechen. Heute. 3000 Jahre später!

Also was ist passiert?

Die Aramäer waren an das Reisen gewöhnt und als sie rausgeschmissen wurden, taten sie, was sie am besten wussten. Sie packten ihre Sachen zusammen und begannen, sich zu bewegen. Bald darauf verbreitete ihre Diaspora kleine Gemeinden im gesamten Mittelmeerraum.


Als die Assyrer erobert wurden, war ihre akkadischsprachige Elite fast vollständig zerstört.

Die Sprache ist verschwunden.

Was lernen wir hieraus?

  • Eine gut reisende Sprache besteht länger. Es ist besser, kleinere Diasporen überall zu haben, als eine riesige Gemeinschaft an einem Ort. Wenn du wissen möchtest, welche Sprache in dreitausend Jahren möglicherweise noch hier sein wird, schau dir nicht die Gesamtzahl der Menschen an, die sie sprechen, sondern die Anzahl der Gemeinschaften, die dies tun.
  • Eine Sprache, die überhaupt nicht reist, ist in Schwierigkeiten.

Dieser letzte Punkt bringt uns zu Mandan.

Mandan und der Mann, der es sprach

Wenn ich „tote Sprachen“ sage, denkst du wahrscheinlich an Latein und Griechisch. Vielleicht vor ein- oder zweitausend Jahren. Aber im Jahre 2016 sind drei Sprachen ausgestorben: Gugu Thaypan, eine Sprache australischer Ureinwohner, sowie Wichita und Mandan, zwei uramerikanische Sprachen.

Edwin Benson starb am 9. Dezember 2016. Er war der letzte, der Mandan sprechen konnte. Erst vor drei Jahren erklärte ein sichtlich verstörter Benson in einer Rede: „Ich habe niemanden, mit dem ich die Mandan-Sprache sprechen kann.“ Dann erzählte er den Zuhörern, wie seltsam es sei, sich vorzustellen und zu glauben, dass er der letzte Mensch auf der Welt sei, eine Sprache sprechen.

Es ist jedoch nicht so selten, wie Sie vielleicht denken. Seit dem Jahr 2000 sind mindestens 53 verschiedene Menschen gestorben, welche die letzten Sprecher einer Sprache waren.

Der Trend wird sich nur beschleunigen. Wie dieser TEDX-Sprecher sagt, sprechen 50% der Welt 50 Sprachen und die restlichen 50% die restlichen 6.950.** Viele dieser Sprachen werden von kleinen Gemeinden in abgelegenen Regionen gesprochen. Die Menschen ziehen seit dem Beginn der industriellen Revolution, wenn nicht sogar früher, in großer Zahl von kleinen Gemeinden in große Städte. Mehrere westliche Länder stehen alternden Landschaften mit schwindender Dorfbevölkerung gegenüber. Es gibt also diese:

  • Bedeutung der sprachlichen Verantwortung. Wenn eine Sprache nur von einer oder zwei Dorfgemeinden gesprochen wird, sind die Jungen entweder vorsichtig genug, sie mitzunehmen, wenn sie in die Stadt gehen – oder sonst stirbt die Sprache aus.

Und diese Lektion ist irgendwie universell, nicht wahr? Du musst auf eine Sprache auf dieselbe Weise aufpassen, wie du auf die Karriere, Kinder oder Pflanzen aufpassen würdest. Wenn nicht, laufen die Dinge schief.


Edwin Benson unterrichtete die Mandan Sprache.. Aber niemand lernte Mandan richtig.

Also tat er das Zweitbeste: Er leitete ein Millionenprojekt, um Sprachaufzeichnungen zu sammeln und zu dokumentieren. Er teilte alles, was er wusste, mit Sprachwissenschaftlern. Du kannst ihn hören, wie er auf YouTube in Mandan eine Geschichte erzählt. Es gibt ein 2000-seitiges Mandan-Wörterbuch, das nur wegen ihm existiert. Das ist die andere Lektion von Edwin Benson:

  • Wenn du etwas nicht retten kannst, bewahre es auf.

Dann muss man manchmal einfach loslassen.

Manchmal kannst du jedoch eine sterbende Sprache retten. Du kannst sogar eine Tote wiederbeleben.

Sanskrit, eine Sprache, die wieder-wieder-wieder-wiederbelebt wurde

Sanskrit ist eine merkwürdige, hartnäckige Sprache. Man könnte es als das Latein des indischen Subkontinents ansehen – die Wurzel vieler seiner modernen Sprachen, die in der Vergangenheit vor allem für liturgische Zwecke verwendet wurden. Es ist eine Sprache, die schon mehrmals für tot erklärt wurde und in der meisten Literatur über tote Sprachen spielt sie eine herausragende Rolle. Aber wie Son Goku kommt sie immer wieder von den Toten zurück, um sich dem Kampf anzuschließen.

Ebensoviel wie wir uns Sprachen als lebende Wesen vorstellen wollen (die altern, reifen, sterben), erinnert uns Sanskrit daran, dass Sprachen kulturelle Konstrukte sind.

  • Mit genügend Aufwand können Sprachen wiederbelebt werden.

Indien ist eine vorbildliche Nation zur Erhaltung der Sprache. Die Gründer der Nation haben erkannt, dass Sprachen kritische Aspekte der Kultur sind und dass wenn sie den Multikulturalismus des Landes bewahren wollen, dann müssen sie seine vielen verschiedenen Sprachen schützen. Sie fügten also eine Liste aller Sprachen in die Verfassung hinzu, die der Staat nicht nur schützen, sondern auch entwickeln muss.

Infolgedessen gibt es jetzt ganze Dörfer, in denen die Bevölkerung wieder Sanskrit lernt und was noch wichtiger ist, es spricht. Im Jahr 2001 hatte diese tote Sprache bereits 14.135 Inder, die sie als Muttersprache sprachen. Ob du es glaubst oder nicht, es ist sogar die Amtsspracheder „verrücktesten Stadt Amerikas„.

Sanskrit erweitert auch dein Gehirn. Buchstäblich. Und es hilft dir, das Codieren zu lernen. Zumindest gemäß einem Lehrling eines buddhistischen Mönchs, der nun Aktien in New York verkauft.

Wenn wir also den verlorengegangenen Sprachen unseren Respekt zollen, sollten wir sicherstellen, dass dies keine allzu düstere Angelegenheit ist, indem wir die Bemühungen der Wiederbelebung feiern und unser Engagement für die Sprachen, die wir am meisten lieben, erneuern.

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